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Die Pathophysiologie der atopischen Dermatitis

Pathogenese und klinisches Bild

  • Gen Vektorbild

    Genetische Anfälligkeit und familiäre Häufung

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    Immunologie

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    Hygiene und Umweltfaktoren

  • Genetische Anfälligkeit und familiäre Häufung

    Epidermale und immunologische Prozesse hängen u. a. von unseren Genen ab.1 Aus diesem Grund spielt die Familienanamnese für atopische Dermatitis bei der Diagnose oftmals eine große Rolle: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind an atopischer Dermatitis erkrankt, verdoppelt sich bei positiver Anamnese eines Elternteils und verdreifacht sich, wenn beide Elternteile betroffen sind.1 Darüber hinaus ist die Konkordanz von homozygoten Zwillingen mit 75 % erhöht gegenüber heterozygoten Zwillingen (23 %).2,3


    Prädisponierende genetische Faktoren

    Genetisch lässt sich die Neigung zu atopischer Dermatitis auf mehrere Gene und Genmutationen zurückführen. Diese betreffen häufig das Protein Filaggrin, das für die abdichtende Aggregation von Keratinfilamenten und Lipiden in der epidermalen Hornschicht verantwortlich ist. Es gehört zu den natürlichen Feuchtigkeitsfaktoren der Haut und stellt in seiner inaktiven Vorform Profilaggrin den antimikrobiell wirksamen Säureschutzmantel der Haut sicher. Heterozygote Träger von Filaggrin-Mutationen haben ein drei- bis vierfach erhöhtes Risiko für atopische Dermatitis.4

    Mittlerweile wurden einige Gene untersucht, die potenziell mit der Entstehung von atopischer Dermatitis assoziiert sind. Darunter fallen auch Kandidatengene einer anderen chronisch-entzündlichen Hauterkrankung, der Psoriasis. Dieser Hinweis auf eine mögliche gemeinsame genetische Prädisposition deutet darauf hin, dass bestimmte Genprodukte bei beiden Erkrankungen die Einwanderung von Entzündungszellen begünstigen bzw. die fehlerhafte Kontrolle über lokale Entzündungsreaktionen verursachen.5

Infografik Häufig von atopischer Dermatitis betroffene Hautareale beim Kleinkind. Mod. nach 9

Charakteristische Manifestation bei Kleinkindern

Bei Säuglingen und Kleinkindern ist häufig der gesamte Körper, vor allem aber Gesicht, Armbeugen, Unterarme und die Beine im Bereich des Knies von den typischen Ekzemen von atopischer Dermatitis betroffen.9

Infografik Häufig von atopischer Dermatitis betroffene Hautareale beim Kind. Mod. nach 9

Charakteristische Manifestation bei Schulkindern

Schulkinder leiden besonders häufig an Ekzemen in den Armbeugen und Kniekehlen sowie an den Handgelenken und am Fußrücken.9

Infografik Häufig von atopischer Dermatitis betroffene Hautareale bei Erwachsenen. Mod. nach 9

Charakteristische Manifestation bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen treten die typischen Symptome vor allem an Händen, Fußrücken, Hals und Nacken auf.9

Komplikationen und charakteristische Komorbiditäten

Komplikationen
Da vor allem bei Patienten mit schweren Verläufen von atopischer Dermatitis die Hautbarriere häufig stark geschädigt ist, kommt es bei ihnen oft zu einer verminderten Abwehr von kutan verbreiteten Viren, beispielsweise Herpes simplex und dem Mollusca-contagiosum-Virus.6 Darüber hinaus haben von atopischer Dermatitis Betroffene ein erhöhtes Risiko, an rheumatoider Arthritis oder chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu erkranken. Ursache könnte möglicherweise das hohe Maß an inflammatorischen Prozessen sein, das den Erkrankungen gemein ist.6

Komorbiditäten
Gerade im Kindesalter geht atopische Dermatitis häufig mit weiteren Erkrankungen einher. Hierzu gehören vor allem Erkrankungen des atopischen Formenkreises wie allergische Rhinitis und allergisches Asthma.9 Studien aus dem amerikanischen Raum sowie aus Deutschland konnten zudem eine Häufung von Schlafstörungen und Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) bzw. Symptome des ADHS bei Kindern mit atopischer Dermatitis nachweisen.6

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Referenzen

1 Aberg N. Clin Exp Allergy. 1993; 23(10):829-34.

2 S2k-Leitlinie Neurodermitis (unter Überarbeitung, gültig bis 30.03.2020). Aufrufbar unter: http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/013-027.html. Zuletzt aufgerufen: Juni 2020

3 Wollenberg A, Barbarot S, Bieber T et al.; J Eur Acad Dermatol Venereol. 2018; 32(5):657–682.

4 Lienhard A. [medicos] 2012; 2:3-6.

5 Novak N, Bieber T. Dtsch Arztebl 2004; 101(3): A 108–120.

6 Grobe W, Bieber T, Novak N. J Dtsch Dermatol Ges. 2019; 17(4):433-441.

7 Büchner SA. Schweiz Med Forum. 2001; 19:484-490.

8 Leung DY; Allergol Int. 2013; 62:151-61.

9 Sterry W; Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme, 2. Auflage. 2018.